SOP Intoxikation mit Lokalanästhetika

Die systemische Lokalanästhetika-Intoxikation (LAST, „local anesthetic systemic toxicity“) ist eine seltene (zumeist iatrogene) Komplikation. Aufgrund der potenziellen Lebensbedrohung wird ein systematisches Vorgehen empfohlen.

 

Prävention

  • Anlage Basismonitoring vor Blockadebeginn (Sauerstoffsättigung, EKG, Blutdruckmessung), i.v.-Zugang obligat
  • adäquate Beschriftung der verwendeten Spritzen sowie der Konnektorenanschlüsse
  • Anwendung von US-gestützten peripheren RA-Techniken
  • Injektion von Lokalanästhetika nur langsam! fraktioniert und unter regelmäßiger negativer Aspiration
  • Dosisreduktion der lipophilen Lokalanästhetika
  • Verfügbarkeit von Fettlösung (Lipo-Venös®-20%) in Bereichen, in denen Regionalverfahren durchgeführt werden
  • Beachten der LA-Höchstdosierungen, Dosisreduktion soweit möglich
  • Besondere Vorsicht bei Hochrisikoblockaden (Verwendung v. Bupivacain, Plexuscervicalis-Blockaden)
  • Besondere Vorsicht bei Hochrisikopatienten (extremes Alter, kardiale Vorerkrankungen)
  • Intoxikation kann aus akzidenteller, direkter intravasaler Injektion (meist Sofortreaktion) oder Resorption aus umgebendem Gewebe (oft verzögerte Symptomatik) resultieren

Symptomatik

ZNS-Symptome einer Lokalanästhetika-IntoxikationKardiale Symptome einer Lokalanästhetika-Intoxikation
Metallischer Geschmack, verwirrte, „kloßige“ Sprache, „Klingeln im Ohr“Brady- oder Tachykardie
Periorales Kribbeln, DoppelbilderQT-Zeit-Verlängerung
Verwirrtheit, Unruhe, TremorQRS-Veränderungen, AV-Block
Krampfanfall (tonisch-klonisch)Inotropie ↓↓
Koma, ApnoeKammerflimmern, Asystolie

Therapie

  • Beenden der LA-Zufuhr (Abbruch Injektion, Pausierung Schmerzpumpe)
  • Hilfe holen!
  • Sicherstellung einer adäquaten Oxygenierung, ggf. Sicherung des Atemwegs
  • Antikonvulsive Therapie eines Krampfanfalls mit Benzodiazepinen oder Propofol (falls nicht spontan limitierend)
  • Symptomatische Therapie der kardiovaskulären LAST-Symptome
  • Beginn CPR Maßnahmen gemäß aktueller ERC-Leitlinien
  • LIPID-GABE (sobald adäquate Reanimation etabliert ist)
  • Erwägen einer extracorporalen Kreislauftherapie (eCPR = va-ECMO), falls kurzfristig kein ROSC erreichbar

Dosierung Lipofundin 20%

  • Lagerungsort: Kühlschrank Einleitung, Holding und Sectio-OP
  • Früher Einsatz, bereits bei Arrhythmien, prolongierte Krampfereignisse
  • 20%igen Lipidlösung in der Initialdosierung von 100 ml (für erwachsene Patienten, alternativ 1,5ml/kg KG bei Gewicht <70kg) innerhalb von 2-3 Minuten
  • Bei ausbleibender klinischer Besserung in den ersten 5 Minuten nach Applikation kann ein zweiter Bolus von 100 ml Lipidlösung (1,5ml/kg Körpergewicht) appliziert werden
  • kontinuierliche Lipidinfusion von 200-250 ml Lipidlösung (vereinfachte Dosis für normgewichtige Erwachsene, bei einem Gewicht <70kg 0,25ml/kg KG/min) über ca. 15-20 min
  • Fortführen der Lipidinfusion bis 10 Minuten nach hämodynamischer Stabilisierung
  • maximalen Höchstdosierung von 12 ml Lipidlösung/kg KG (900 ml Lipidlösung/70kg Erwachsener)

Prozedere bei Zustand nach LA-Intoxikation

  • Nur ZNS-Symptomatik: obligate Überwachungsdauer nach Eingriff 2h
  • Bei Anzeichen kardialer Toxizität prolongierte Monitorüberwachung für > 6h, 12-Kanal-EKG, kardiale Enzyme, Echokardiographie
  • Bei erfolgreicher Reanimation: Überwachung auf IST

Dokumentation

  • Routine- Dokumentation von Aspirationstest und fraktionierter Gabe des LA im Narkoseprotokoll. Hinweis auf evtl. Gefäßpunktion.
  • Information an Operateur und Patient

Quelle: 

  • S1- Leitlinie (AWMF-Registernummer 001-044) Prävention & Therapie der systemischen Lokalanästhetika-Intoxikation (2020)
  • Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie Unikliniken Gießen und Marburg SOP Lokalanäshetika – Intoxikation 2016/2017